Studiverzeichnis: Neue Fragen zur Finanzierung des VZ
Sunday, November 19, 2006, 23:59 - Blase2.0, Studivz
Wie angekündigt noch ein Exkurs in Datensicherheits- und Finanzierungsthemen bei Studivz.Warum ich auf Datenschutz und Finanzierung so rumreite?
Auch bleiben Fragen offen, wie die Beziehung von Studivz zu Parship nun wirklich aussieht, es gibt widersprüchliche öffentliche Aussagen dazu:
| Studivz-Blog, 17.11.2006 | Spiegel-Online, 15.11.2006 |
|---|---|
| »Warum hat studiVZ in Rom, Paris und Barcelona die gleichen Anschriften wie Parship? StudiVZ und die dazugehörigen internationalen Seiten haben ihren Sitz in Berlin. Für administrative Zwecke hielten wir es für sinnvoll, vor Ort eine Anschrift zu haben. Parship als befreundetes Unter- nehmen, mit dem wir über unseren Gesellschafter Holtzbrinck bekannt sind, hat uns gestattet, seine Postanschrift ohne Gegenleistung zu nutzen. Es bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen und natür- lich gab und gibt es nie einen Austausch von Daten. Um künftig Missverständnisse zu vermeiden, werden wir uns von diesen Anschriften in Kürze trennen.« | »SPIEGEL ONLINE: Könnte es nicht zu Irritationen führen, dass die Adressen der StudiVZ-Depen- dancen in Paris, Barcelona und Mailand mit denen der dortigen Filialen der Online-Partnerbörse Parship übereinstimmen? Manche Nutzer sind besorgt über die Sicherheit ihrer privaten Daten - ist da ein Austausch zu erwarten? Ehssan Dariani: StudiVZ hat seinen Sitz in Berlin. Zu administrativen Zwecken brauchen wir für die internationalen Seiten vor Ort eine Anschrift. Parship hat uns als befreundetes Unternehmen, mit dem wir über unseren Gesellschaf- ter Holtzbrinck verbunden sind, pragmatischerweise gestattet, ihre Anschriften für StudiVZ zu verwenden. Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen geschweige denn irgendein Austausch von Daten.« |
Wir merken uns, am 15.11. im Interview mit Spiegel-Online hieß es noch, die Adressen seien notwendig, im eigenen Blog heißt es nur zwei Tage später, man dachte, man bräuchte Briefkästen im Ausland, werde sich davon nun aber trennen. Für eine Briefkastenfirma, die die StudiVZ Ltd. in England unbestritten ist, bemerkenswert.
Auch mutierte die Aussage »Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen« zu einem »Es bestehen keinerlei Geschäfts- beziehungen« — ulkig, daß ein Unternehmen seine Postadresse einfach so ohne Geschäftsbeziehung einem anderen überläßt, zumal man nun auch nicht mehr über Holtzbrinck »verbunden« sondern nur noch »bekannt« ist. Ein Schelm, der Böses …
Aber egal; Fakt ist, daß die ausländischen Dependancen nur auf dem Impressum der Landesausgaben existieren — gesteuert und betrieben werden sie, lt. den Aussagen von Studivz, sämtlichst aus Berlin, Deutschland. Immerhin mal eine klare Ansage aus dem Hauptquartier der Nebelwerfer.
Damit kommen wir zu den Details der Finanzierung Studivzs; im Blog wird ausgeführt:
Wer ist Gründer von studiVZ?
Ehssan Dariani und Dennis Bemmann haben das Unternehmen im Oktober 2005 gegründet und Michael Brehm hat das Gründerteam Anfang 2006 komplettiert.
Wer finanziert studiVZ?
Es handelt sich um Privatpersonen und Unternehmen, die nachfolgend aufgelistet sind:
Aaron Voloj Dessauer
Christian Vollmann
Christophe Maire
Dario Suter
European Founders Fund GmbH (Marc, Oliver und Alexander Samwer)
Holtzbrinck Ventures GmbH
Kolja Hebenstreit
Lukasz Gadowski
Matthias Spieß
Oliver Jung
Peter Schüpbach
Wer sind diese Investoren?
Es sind dies erfolgreiche Internet-Unternehmer, Freunde und zwei Venture Capital Funds.
Wie viel Geld wurde studiVZ zur Verfügung gestellt?
Insgesamt haben alle Gesellschafter € 2,5 Mio. für den Aufbau von studiVZ bereitgestellt. Davon stammen € 2,0 Mio. von Holtzbrinck Ventures GmbH (August 2006). Darüber hinaus gab und gibt es keine weiteren Vereinbarungen.
Für was wird das Geld verwendet?
studiVZ ist von einem kleinen studentischen Projekt zu einer richtigen Firma gewachsen. Das heißt es wurden im Laufe der Zeit 50 Mitarbeiter eingestellt, Büroeinrichtungen beschafft und die ganze Infrastruktur eingerichtet. Zudem werden wir einen erheblichen Teil der Gelder für den Aufbau einer neuen Server Infrastruktur verwenden und in die laufende Erweiterung der Plattform investieren.
Beachtlich. 2,5 Millionen Euro wurden bislang in dieses »studentische Projekt« gesteckt, ohne aktuell sichtbaren Weg in eine Gewinnzone; Stand heute verbrennt Studivz jede Sekunde Investorenkapital. (Auch das merken wir uns mal für das folgende Finale dieses schier endlosen Artikels.)
2,0 Millionen Euro von Holtzbrinck, die 500.000 Euro dürften, wenn man Don Alphonso glauben mag, von der Gebrüder-Samwer-Firma stammen - initial kamen von Lukasz Gadowski und »einem zweiten Geschäftsführer von spreadshirt« 5.000 Euro Startkapital, wie man schon im Blog lesen konnte. (Die 5.000 Euro bitte auch mal auf den Stack legen, brauchen wir gleich wieder.)
Noch beachtlicher erscheint mir ja, daß eine Finanzierung mit 5.000, 500.000 (Faktor 100 zur ersten Finanzierung) und 2.000.000 Euro (Faktor 4(!) zur zweiten, 400 zur ersten) – die Gründer brachten demnach nur die Idee mit, kein hartes Kapital – so vollkommen selbstlos ohne erhebliche Mitspracherechte oder Anteilsübereignungen vonstatten gegangen sein soll:
Gibt es irgendwelche speziellen Vereinbarungen mit den Investoren?
Die Finanzierungen, die wir durchgeführt haben entsprechen den üblichen Standards für junge Unternehmen. Es bestehen für die Gesellschafter von studiVZ keine weitergehenden Rechte als die normalen Gesellschafterrechte.
Wer hat heute die Mehrheit an studiVZ?
Das Gründerteam hält nach wie vor die Mehrheit am Unternehmen und bestimmt damit die Strategie und die Entwicklung von studiVZ alleine.
Krass. Da pumpem zwei Venture Capitalists 2,5 Millionen Euro in eine Copycat — und sichern sich dafür keinerlei Mitspracherechte an »Strategie und Entwicklung«? Holtzbrinck vermag ich nicht einzuschätzen, vielleicht sind das ja eher Mäzene denn Heuschrecken; aber Samwers? Die wollen Rendite sehen, siehe Spiegel-Onlne:
Die größte virtuelle Studentenparty Deutschlands wird derzeit noch auf Pump finanziert. Weil die Seite werbefrei und umsonst ist, müssen andere für die Gehälter aufkommen: unter anderem die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. […] Auch mit dem Studiverzeichnis wollen die Geschäftsleute hoch hinaus. Man erwarte rund 25 Prozent Rendite, kündigten die Brüder in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" an.
Ob sich das mit dieser »Strategie« umsetzen läßt?
Wie will studiVZ in Zukunft seinen Betrieb finanzieren?
Ziel ist es, die Plattform weiterhin kostenfrei zu halten. Um dies zu erreichen wird studiVZ sich in Zukunft über Werbung finanzieren. Dies könnte beispielsweise mit Bannern oder anderen anzeigeähnlichen Formaten geschehen. Die Daten unserer Nutzer bleiben dabei stets bei studiVZ.
Gut, aber auf dem Datenschatz aufbauend kann man ja, ohne wortbrüchig zu werden, vielleicht zielgruppengerichtete Werbung den Werbetreibenden anbieten, Motto: »Ihr sagt, wen wir bewerben sollen und wir schalten die Werbung anhand des Nutzers Präferenzen«.
Was passiert mit den Daten, wenn die Mehrheit der Anteile nicht mehr von den Gründern gehalten wird?
Wenn sich die gesellschaftsrechtlichen Mehrheitsverhältnisse bei StudiVZ verändern, ändert das absolut gar nichts am Schutz und der Sicherheit der Daten nach den in Deutschland geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Denn die Mitglieder von StudiVZ übergeben ihre personenbezogenen Daten nicht irgendwelchen Einzelpersonen von StudiVZ (wie z.B. den Gründern oder anderen Gesellschaftern), sondern der StudiVZ als Gesellschaft (sog. juristische Person). Etwaige neue Gesellschafter dürfen mit den Daten also auch nicht anders umgehen, als die bisherigen, da der gesetzliche Datenschutz in Deutschland immer und für alle gleich gilt.
Gilt das auch, wenn ein ausländischer Gesellschafter hinzukommen würde?
Ja, denn wer wie StudiVZ ein deutschsprachiges Studenten-Netzwerk von Deutschland aus betreibt, unterliegt automatisch den strengen deutschen (und europäischen) Datenschutzgesetzen. Das gilt unabhängig davon, ob ein ausländisches Unternehmen einen kleinen oder einen großen Anteil an StudiVZ hält.
Nunja, nochmal zum mitmeißeln, die berliner Studivz Limited ist »Zweigniederlassung« der britischen Studivz Limited:
Neueintragung vom 12.04.2006
HRB 101454 B:
studivz Limited,
Voigtstr. 38
10247 Berlin
Firma: studivz Limited Sitz: Berlin; Zweigniederlassung der unter der Firma studivz Limited in Birmingham, Vereinigtes Königreich, bestehenden Hauptniederlassung (Companies House Cardiff No. 5607971). Gegenstand: Gegenstand der Zweigniederlassung: Entwicklung und Vermarktung einer Kontaktmanagement- und Kommunikationsplattform auf der Basis des sogenannten Social Network Mappings im Internet. Stamm- bzw. Grundkapital: 3.000 GBP […] Rechtsform: Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares). Gegründet am 31.10.2005.
Wir überschlagen mal eben … 3.000 britische Pfunde (GBP) entsprechen bei ca. Faktor 1,5 (1,47741 lt. XE.COM) 4.500 Euro-Talern. (Wieviel hatte die erste Finanzierungsrunde gebracht? 5.000 EUR, da passten quasi 4.500 EUR Gründungskapital und 500 EUR Reise- und sonstige Kosten rein. Die 5.000 EUR können damit vom Stack runter.)
Auch vielleicht interessant (siehe http://wck2.companieshouse.gov.uk/), daß unter der Adresse
69 GREAT HAMPTON STREET
BIRMINGHAM
B18 6EW
unter der »STUDIVZ LIMITED« mit Nummer 05607971 eingetragen ist in England (»Branch Details: There are no branches associated with this company.«), auch schon andere Firmen in Deustchland auffällig wurden:
# Armin Says:
September 16th, 2005 at 23:24
Ich weiss gar nicht wie jemand die Serioesitaet von AIDA Media Ltd anzweifeln kann. Das ist doch total die Weltfirma (laut www.aidamedia.de):
—
European Headquarter / Hauptsitz
AIDA MEDIA Limited
69 Great Hampton Street
Birmingham
und
Niederlassung Germany, München
—
Wow, beindruckend. Oder auch nicht:
Laut Companies House gibt’s die Firma noch nicht lange:
Date of Incorporation: 28/01/2005
Und unter der Adresse “69 Great Hampton Street” sind massenhaft Firmen registriert, das ist eine Briefkastenadresse fuer eine dieser Ltd-ist-billiger-und-internationaler-Firmen.
Blender.
Wir halten also mal fest: Studivz Ltd. Berlin ist eine Zweigniederlassung (scheinbar im englischen Register nicht als solche gemeldet) der studivz Limited Birmingham, UK. Es handelt sich um eine »Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares)«; ob Studivz Berlin eine separate Firma darstellt, ist mir derzeit nicht klar. Die Mutterfirma ist in jedem Falle schon heute eine britische Limited, die Frage nach ausländischer Beteiligung ist insofern müßig, da das Ganze eben schon seit Gründung auf eine britischen Firma zurückgeht. Sollte nun die Datenverarbeitung, sprich z. B, in Form der Datenbank, durch eben diese britische Firma Studivz Limited, nicht mehr in Deutschland sondern z. B. in England vorgenommen werden, welches Datenschutzrecht greift dann? Wenn die Daten in Deutschland gar nicht mehr verarbeitet (sondern nur durchgeleitet) werden? Ich fürchte, siehe S.W.I.F.T. und der Flugpassagierdaten: jedenfalls nicht mehr die »strengen deutschen Datenschutzgesetze«, hinter denen sich Studivz, nebelkerzenwerfend, verbal versteckt. But IANAL, vielleich weiß in der Blogosphäre das ja jemand auf Anhieb?
Abschließend möchte ich noch kurz über die Nachhaltigkeit der bisherigen Finanzierung philosophieren; bei "laufende Einnahmen = Null", wie lange reichen also die 2,5 Millionen, die Studivz Ltd. mal hatte?
Was wissen wir denn aus Veröffentlichungen?
- Einzahlung 500.000 EUR ca. Anfang 2006
- Einzahlung 2.000.000 EUR ca. August 2006
- Loadbalancer, mehrere Server, Hoster ist O2
- ca. 50 Mitarbeiter derzeit; alle nationalen Sites werden aus Berlin gemanaged
- erneut neue Bürofläche
- Laptop scheint generelles Arbeitsmittel zu sein
Wenn jeder der 50+ StudiVZ-MA auch nur 1.000 EUR/Monat bekommen soll (brutto; netto für Arbeitnehmer ca. 750 EUR, Lohnkosten für Arbeitgeber geschätzt 1.300 EUR), liegen die Kosten für den Arbeitgeber bei ca. 1.300 * 50, d. h. 65.000 EUR je Monat nur für die 50, »fast rund um die Uhr« arbeitenden Mitarbeiten (Geschäftsführung und leitende Angestellte nicht berücksichtigt; auch die werden von mehr als nur der Idee leben wollen). 1.000 EUR für »fast rund um die Uhr« erscheint mir noch fast tief gegriffen, aber ok, es sind evtl. ja nur stud. Nebenjobs … Die 2.000.000 EUR der Holtzbrink-Finanzierung reichten dafür dann 30 Monate — ohne Personalwachstum, Hardwareinvestitionen, Kosten für das Hosting, laufende Kosten für Büro, Reisen, …
Setzt man Don Alphonsos Burnrate von 100.000 EUR/Monat an, was ich, s. o., für durchaus realistisch halte, sind die 2.000.000 von Holtzbrinck in 20 Monaten weg, die 500.000 aus der Samwer-Finanzierung dürften bei Einstieg von Holtzbrinck schon deutlich dezimiert worden sein. Vier Monate der 20 sind verstrichen, spätestens im Frühjar 2008 läuft die USS Studivz damit dann auf dem Pleite-Riff auf.
Das werden Samwers European Founders Fund GmbH als auch die Holtzbrinck Ventures GmbH schon vor der Finanzierung durchgerechnet haben — da fragt man sich doch, wie in Zeiten von Popup-Blockern und ausgefuchsten Adzappern teils schon in den Browsern man mit »Werbung« (Dariani in ziemlich jedem Interview, u. a. auch bei Job24) tatsächlich Geld verdienen will? Linkzirkus: Dariani-Auftritt bei JobTV24 · Mediendschungel · KASI-BLOG (talking
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